Die Luft im Festsaal war schwer von Musik und dem Geruch von Buffet. Alena, sonst eher zurückhaltend, hatte sich auf die Tanzfläche gewagt. Ihre Bewegungen waren leicht, fast befreiend. Doch dann geschah es: Ein schneller Dreh, ein unglücklicher Zug – und die Perücke glitt von ihrem Kopf und landete mit einem leisen, doch verhängnisvollen Plumps auf dem Parkett. Für eine Sekunde herrschte atemlose Stille, ein kollektives Einfrieren der Zeit. Dann brach die Welle los: ein schallendes, unbarmherziges Gelächter, das sich wie eine Lawine durch den Raum fraß.

Aus der Menge stürmte रीड vor, der selbsternannte König der Spötter. Er hob das Stück Haar triumphierend in die Luft, als wäre es eine Trophäe. „Wow, Alena, was ist das denn? Schon Halloween?“, rief er mit überschwänglicher Stimme in den Raum. Seine Augen blitzten vor vergnügter Boshaftigkeit. „Ist das nur eine Firmenparty? Willst du Aufmerksamkeit erregen oder hast du dir einfach den Kopf rasiert?“ Das Gelächter wurde lauter, ansteckend, eine Kakophonie der Schadenfreude. Eine Kollegin beugte sich grinsend vor und sagte laut, damit es alle hörten: „Sie ist doch noch so jung. Wie kann sie jetzt schon eine Glatze haben? Ist sie krank oder so?“
रीड fühlte sich bestätigt, der Held des Abends. Er lachte auf und antwortete mit einer wegwerfenden Geste: „Na, Leute, haltet euch besser fern. Kommt ihr zu nah, könnten euch auch die Haare ausfallen.“ Mit einer verächtlichen Bewegung warf er die Perücke zurück zu Boden, als wäre sie wertloser Abfall. Der Raum bebte erneut vor Lachen. Doch in der Mitte dieses Tumults stand Alena wie erstarrt. Ihr Gesicht, eben noch lebendig, war zu einer leblosen Maske aus Kreide geworden. Sie bückte sich mechanisch, hob die Perücke auf, ihre Finger zitterten kaum merklich. Sie biss sich auf die Lippe, unterdrückte die Tränen, die in ihren Augen brannten, und verließ, ohne ein Wort, den Saal. Einige zückten ihre Handys und filmten den Abgang, als wäre es der Höhepunkt einer Comedy-Show.

Am nächsten Tag war Alenas Platz leer. Ein hämisches Kichern ging um. „Na, ist sie endlich zur Haartransplantation gegangen?“, fragte jemand. Am dritten Tag war die Stille um den leeren Schreibtisch bedrohlicher geworden. रीड runzelte die Stirn, ein erstes, winziges Unbehagen kroch in ihm hoch. „Ihr glaubt doch nicht, dass sie gekündigt hat, nur weil wir sie ausgelacht haben, oder?“, fragte er, aber seine Stimme klang dünner als sonst. Die Stille, die ihm antwortete, war lauter als jedes Gelächter. An diesem Abend, auf dem Heimweg, wurde das Unbehagen in रीडs Brust zu einem drückenden Gewicht. Aus einer Mischung aus schlechtem Gewissen und banger Neugier überredete er einige Kollegen, mit ihm zu Alenas Wohnung zu fahren.
Die Fahrt war von einer beklemmenden Stille erfüllt. Als sie die Straße erreichten, sahen sie es schon von Weitem: das blaue, rotierende Licht, das die Fassaden in gespenstische Farben tauchte. Vor Alenas Haustür stand, wie eine stumme Anklage, ein Krankenwagen. Die Tür stand offen. रीड erstarrte. Das Gelächter von drei Tagen zuvor fiel ihm wie bleierne Asche in den Magen. In diesem Moment traf ihn die volle Wucht der Erkenntnis: Ihr Spott war nicht auf eine Perücke, sondern auf eine unsichtbare, schwere Last gefallen. Die Stille um den Krankenwagen war die endgültige Antwort auf all ihre Witze.

